Manuel Tille, die Spurenstoffe im Bodensee und seinen Zuflüssen wurden bereits in der Vergangenheit gemessen. Was ist bei der laufenden Monitoringkampagne anders?
Um es kurz zu sagen: Wir haben die Auswahl der Messpunkte im Einzugsgebiet angepasst, messen mehr Stoffe und haben die Anzahl der Untersuchungen im Probejahr erhöht.
Weshalb mussten Sie die Messpunkte anpassen?
Weil Abklärungen ergeben haben, dass der direkte Eintrag von Spurenstoffen aus den Abwasserreinigungsanlagen (ARA) in den Bodensee bisher vernachlässigt wurde. Dazu muss man wissen, dass konventionelle ARAs Spurenstoffe kaum eliminieren können. Weiter hat sich gezeigt, dass ein gewisses Reduktionspotenzial bei der Anzahl der bisher untersuchten Gewässer bestand. Nicht alle haben einen gleich großen Einfluss auf das Freiwasser im Bodensee.
Wie genau haben Sie denn nun die Messstellen verändert?
Wir konzentrieren uns bei den Zuflüssen auf jene sechs, die den stärksten Einfluss auf das Freiwasser des Bodensees haben. Umgekehrt beproben wir nun die sieben größten ARAs in Seenähe. Dadurch steigt der Anteil der erfassten, über das Abwasser in den Bodensee eingetragenen Spurenstoffe, um mehr als 20 Prozent auf neu 78 Prozent.
Und wie haben Sie die Liste der gemessenen Stoffe angepasst?
Wir haben im Bereich der Arzneimittel drei weniger relevante Stoffe weggelassen und zwei neue dazu genommen. Darunter den Wirkstoff Azithromidicin, ein Antibiotikum, das besonders bei bakteriellen Infektionen der Atemwege verschrieben wird. Vor allem aber haben wir die Betrachtung von PFAS massiv erweitert. Neu messen wir 20 Einzelsubstanzen dieser sogenannten Ewigkeitschemikalien.
Braucht es dazu tatsächlich die IGKB? Werden dieselben Spurenstoffe nicht auch von den Umweltbehörden gemessen?
Eben nicht! Die Abklärungen, die zur Entwicklung des neuen Monitoringkonzepts getätigt wurden, haben gezeigt, dass es bei den regelmäßigen Untersuchungsprogrammen der Anrainer nur wenige Überschneidungen bei den gemessenen Spurenstoffen gibt. Deshalb ist es wichtig, dass das Monitoring der IGKB auch in Zukunft weitergeführt wird.
PFAS werden in den Medien häufig thematisiert. Wirkt sich das auf das Interesse der Öffentlichkeit am Spurenstoff-Monitoring der IGKB aus?
Das öffentliche Interesse an Spurenstoffen nimmt generell zu – und das ist erfreulich. Themen wie die «Ewigkeitschemikalien » PFAS rücken das Gewässerschutz-Engagement der IGKB stärker ins Bewusstsein. Das Monitoring spielt dabei eine zentrale Rolle: Es dient der laufenden Überwachung der Gewässerqualität und schafft eine verlässliche Datengrundlage, um Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und gezielt Maßnahmen abzuleiten.
Welche praktischen Auswirkungen hat das Monitoring von Spurenstoffen eigentlich?
Wir können unter anderem gewisse Entwicklungen frühzeitig erkennen. So konnten wir etwa beim letzten Monitoring zeigen, dass sich die Einführung einer vierten Reinigungsstufe in den ARAs zur Elimination von Spurenstoffen positiv auswirkt. Bisher wurden um den Bodensee nur einzelne ARA so aufgerüstet. Bald wird das für alle großen Anlagen zur Pflicht. Ich bin gespannt, wie sich die Bekämpfung der Spurenstoffe in unseren Messungen zeigen wird.