Sauerstoff ist für die meisten Organismen überlebenswichtig. Und auch für den Bodensee ist eine gute Sauerstoffversorgung bis in die tiefsten Regionen elementar. Als in den 1970er Jahren auf dem Höhepunkt der Eutrophierung – der übermäßigen Anreicherung des Sees mit Nährstoffen – viel organische Materie auf den Seegrund gelangte, drohte der Sauerstoff knapp zu werden.
Denn viele Mikroorganismen, die den Abbau von Tier- und Pflanzenresten in der Tiefe des Sees bewerkstelligen, benötigen dazu Sauerstoff. Diese Gefahr ist mittlerweile gebannt, da die Zufuhr von Nährstoffen massiv gesenkt werden konnte.
Seezirkulation ist gefährdet
Allerdings macht dem See nun der Klimawandel zu schaffen. Er hat zur Folge, dass sich das Wasser im Frühjahr früher erwärmt und im Herbst später abkühlt. Dadurch verkleinert sich das Zeitfenster im Winter, in dem Sauerstoff durch die Zirkulation des Wasserkörpers bis in große Tiefe gelangen kann. Dazu muss die Dichte des gesamten Wasserskörpers ungefähr gleich sein. Wenn sich der See Ende Winter deutlich abgekühlt hat, kann sich das Wasser bis in große Tiefen umwälzen. Allerdings werden diese Voraussetzungen immer seltener erfüllt. Seit Ende der 1980er Jahre mehren sich unvollständige Zirkulationen. Noch bis in die 2000er Jahre waren in den meisten Jahren gute Durchmischungen zu verzeichnen. Doch nach 2006 kam es nur noch 2018 zu einer zufriedenstellenden Zirkulation. Auch im vergangenen Winter konnte das Wasser nicht ausreichend bis zur tiefsten Stelle des Sees zirkulieren.
Geht dem Bodensee die Luft aus?
Doch immerhin ist das Tiefenwasser bisher noch gut mit Sauerstoff versorgt. Allerdings stellt sich für die Seenforschung die Frage, wie viele Jahre in Folge der See mangelnde Zirkulationen tolerieren kann, bevor ihm im wahrsten Sinne des Wortes die Luft ausgeht. Diese Frage wird im aktuellen Interreg Projekt «SeeWandel-Klima» behandelt.