Editorial

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Dr. Karoline Härtl-Brandl

(Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg – Institut für Seenforschung)

Ende 2021 habe ich in der IGKB die Leitung des Fachbereichs See übernommen. Diese Aufgabe liegt mir auch persönlich am Herzen. Als Mutter von zwei Kindern, die am Bodensee aufwachsen, ist es mir ein großes Anliegen, dass dieser auch in Zukunft ein lebenswerter und intakter Lebensraum bleibt. Dazu gilt es seinen Zustand zu überwachen und künftige Bedrohungen für das Ökosystem des Sees rechtzeitig zu erkennen, um dann geeignete Abwehrmaßnahmen entwickeln zu können.

Ob Klimawandel oder Quagga-Muschel: In der Tat sind die Herausforderungen für das Ökosystem bereits jetzt groß. Damit wächst auch die Gefahr, dass der See aus dem Gleichgewicht kommt. Auf der anderen Seite ist die Resilienz des Sees, also seine Selbstheilungskraft, nicht zu unterschätzen.

Es zeichnet sich ab, dass die neu in den See eingewanderte Quagga-Muschel zu tiefgreifenden Veränderungen in den Lebensgemeinschaften führt. Zudem stellt die Muschel die Wasserwerke vor erhebliche Probleme, weil ihre Larven über die Entnahmerohre in die Aufbereitungsanlagen einwandern.

Die Muscheln, die dort heranwachsen, müssen aufwendig entfernt werden. Dieses Beispiel zeigt anschaulich, wie bedeutungsvoll solche Entwicklungen im Bodensee auch für dessen ökonomische Nutzung sind.

Im Vordergrund steht dabei die Energieversorgung. Angesichts der gegenwärtigen Weltlage wächst der Druck, von den fossilen Brennstoffen Öl, Gas und Kohle wegzukommen und verstärkt alternative Energien zu nutzen. Dazu zählt die Umweltwärme, die der See kostenlos zur Verfügung stellt und die sich mit Hilfe von Wärmepumpen zur Beheizung von Gebäuden nutzen lässt.

Die IGKB zeigt in ihren Richtlinien, was es dabei zu beachten gilt. Denn oberstes Ziel bei der durchaus sinnvollen Nutzung des Bodensees als Energiequelle muss sein, dass der See nicht aus dem Gleichgewicht gerät. Seine wertvollen Ökodienstleistungen sollen auch künftigen Generationen zur Verfügung stehen.

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