Wie fremde Tiere und Pflanzen den See erobern

Die Quagga-Muschel ist ein besonders augenfälliges Beispiel dafür, wie sich neue Arten im Bodensee ausbreiten – mit erheblichen Folgen für das bestehende Ökosystem. Doch auch mikroskopisch kleine Organismen können Gewässergrenzen überwinden. Was ist dagegen zu tun?

Wie fremde Tiere und Pflanzen den See erobern

Die Quagga-Muschel ist ein besonders augenfälliges Beispiel dafür, wie sich neue Arten im Bodensee ausbreiten – mit erheblichen Folgen für das bestehende Ökosystem. Doch auch mikroskopisch kleine Organismen können Gewässergrenzen überwinden. Was ist dagegen zu tun?

Petra Teiber-Siessegger bringt es auf den Punkt: „Die Quagga-Muschel kommt flächendeckend im gesamten Bodensee vor – und wir haben so viele Muschellarven wie noch nie.“ Wie die Biologin am Institut für Seenforschung in Langenargen und Sachverständige in der IGKB weiter berichtet, wurden auch bei Probenahmen in 200 Meter Tiefe einzelne Jungmuscheln entdeckt.

Auch Kieselalgen wandern ein

Bei den Neobiota, den neu in ein Ökosystem eingewanderten Arten also, richtet sich das Augenmerk vor allem auf größere Tiere und Pflanzen. Doch auch ganz kleine Organismen verbreiten sich als sogenannt standortfremde Arten um den Globus, beispielsweise Kieselalgen. Diese hat Christine Schranz vom Bayerischen Landesamt für Umwelt und ebenfalls Sachverständige in der IGKB im Blick: „Bei den mikroskopisch kleinen Kieselalgen, die am Gewässerboden leben, gibt es einige Beispiele für Zuwanderung – nur ist darüber leider nicht allzu viel bekannt“, sagt die Gewässerbiologin. Daher könne meist nicht gesagt werden, ob Arten bereits eingewandert bzw. wie und wann sie woher gekommen sind. „Gerade deswegen muss man davon ausgehen, dass es mehr davon gibt, als bekannt ist“, fügt sie an.

In manchen Ländern wie etwa Neuseeland, Chile oder Kanada sorgt zum Beispiel seit einigen Jahren eine am Gewässerboden lebende Kieselalge für zum Teil erhebliche Probleme. Dort wurde Didymosphenia geminata – so ihr wissenschaftlicher Name – invasiv. Sie bildet große Matten, die alles überwuchern. Hierzulande ist diese Alge zwar heimisch, sie ist kommt aber eher selten vor. Doch wenn sie in neuen Lebensräumen massiv zu wachsen beginnt, kann sie ganze Ökosysteme stark in Mitleidenschaft ziehen – dann kann z.B. Futter für Fische knapper werden. Hinzu kommt, dass solche Gewässer erheblich an Attraktivität für Freizeitaktivitäten einbüßen.

Die IGKB zeigt, wie die Weiterverbreitung von Neobiota verhindert werden kann. Teil dieser Kampagne sind das Plakat „Vorsicht blinde Passagiere“ und der Flyer „Gebietsfremde Arten im Bodensee“, die man auf www.igkb.org/aktuelles herunterladen kann. (Bild: IGKB)

Vorsicht blinde Passagiere

Wie aber gelangen Pflanzen und Tiere in neue Lebensräume? Sie können sich zum Beispiel entlang von künstlich geschaffenen Wasserstraßen ausbreiten. Über den Main-Donau-Kanal etwa gelangten unter anderem der große Höckerflohkrebs oder die Donau-Schwebgarnele von der Donau ins Rhein-System. Wasserfahrzeuge, die vom Menschen über Land von einem Gewässer zum anderen transportiert werden, können eine Art Autobahn sein. Manchmal reicht auch nur eine feuchte Umgebung. Neobiota können längere Transportwege zum Beispiel in nicht vollständig getrockneter Taucherkleidung überdauern.

Was sich gegen die blinden Passagiere tun lässt, beschreibt Petra Teiber-Siessegger anschaulich so: „Wenn man mit einem Boot oder mit der Taucherausrüstung den See verlässt, dann heißt es putzen, putzen, putzen – und alles gut trocknen lassen.“ Dies sei der beste Weg, um andere Gewässer vor der Invasion neuer Arten zu schützen. Genau das hat sich auch die IGKB zur Aufgabe gemacht: Sie hat jetzt ein Plakat veröffentlicht, mit dem vor diesen „Blinden Passagiere“ gewarnt wird. Außerdem werden in einem Flyer konkrete Tipps gegeben, was zu beachten ist, wenn Wasserfahrzeuge von einem Gewässer in ein anderes wechseln.

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Thermische Nutzung des Bodensees aus ökologischer Sicht möglich

Die im Bodensee gespeicherte Menge an thermischer Energie ist riesig. Würden alle Einwohner rund um den See mit Wärme aus dem Schwäbischen Meer versorgt, hätte dies an der Seeoberfläche eine Abkühlung von lediglich 0,2 Grad Celsius zur Folge. Das haben Berechnungen im Rahmen des von der IGKB geförderten Projekts „Klimawandel am Bodensee“ ergeben. Der Bodensee ist also ein gigantisches Reservoir für klimaschonende Heiz- und Kühlenergie.

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