Wie die Quagga-Muschel den See verändert

Inzwischen ist die neu eingewanderte Muschel überall im See zu finden – selbst in den größten Tiefen. Was bedeutet das für den See und seine Lebensgemeinschaften? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Wie die Quagga-Muschel den See verändert

Inzwischen ist die neu eingewanderte Muschel überall im See zu finden – selbst in den größten Tiefen. Was bedeutet das für den See und seine Lebensgemeinschaften? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Wie hat sich die Quagga-Muschel im Bodensee ausgebreitet?
Erstmals wurde die Quagga-Muschel (Dreissena rostriformis) 2016 im Bodensee nachgewiesen. Inzwischen ist sie rund um den See zu finden. Ihre Larven werden in allen Wassertiefen gefunden, die erwachsenen Muscheln selbst siedeln bis in etwa 100 Meter Wassertiefe.

Woher kommt die Muschel?
Ursprünglich stammt die Quagga-Muschel aus dem Aralsee und dem Schwarzmeerraum. Sie hat sich aber inzwischen in weiten Teilen der Welt etabliert, so zum Beispiel auch in Nordamerika.

Wie ist die Quagga-Muschel in den Bodensee gekommen?
Das ist nicht bekannt. Sie könnte mit Booten, die von Gewässern, in denen die Quagga bereits vorkam, zum Bodensee transportiert worden sein. Die Muscheln selbst können außerhalb des Wassers bis zu 90 Stunden überleben. Auch die Larven können etwa im Bilgenwasser oder im Kühlwasser eines Motors am Leben bleiben. 

Wie ist der Lebenszyklus?
Die Tiere heften sich mit ihren sogenannten Byssusfäden an Steine, Betonwände, andere Muscheln und weitere harte Substrate. Zur Fortpflanzung geben die weiblichen Muscheln Eier ins Wasser, die männlichen Samen. Aus den befruchteten Eizellen entstehen sogenannte Veliger-Larven. Sie leben frei schwebend als Plankton im Wasser und setzen sich nach einiger Zeit fest. Die Fortpflanzung setzt bei einer Wassertemperatur von etwa fünf Grad ein – und ist nahezu ganzjährig und in allen Seetiefen möglich.

Was bedeutet die Muschel für die Trinkwasseraufbereitung?
Die Qualität des aus dem Bodensee gewonnenen Trinkwassers ist nicht gefährdet, da die Larven herausgefiltert werden. Die Trinkwasseraufbereitung wird aber deutlich aufwendiger, da die Larven über die Entnahmerohre in die Aufbereitungsanlagen gelangen und sich dort festsetzen können. Um dies zu verhindern, müssen die Anlagen öfter gereinigt werden. Und die Bodenseewasser-Versorgung stattet nun ihre Anlagen mit modernster Ultrafiltrationstechnologie aus. Dies erfordert allerdings erhebliche Investitionen.

Große Flächen im Bodensee sind inzwischen von der Quagga-Muschel besiedelt. ( Fotos: EAWAG)

Hat die Muschel auch Feinde im Bodensee?
Ja, Wasservögel fressen Muscheln. Aber sie können nur bis in eine begrenzte Tiefe tauchen. Muscheln, die tiefer als etwa zehn Meter leben, sind vor ihnen sicher. Wie stark die Larven etwa von Fischen gefressen werden, wird derzeit untersucht.

Wie wirkt sich die Quagga-Muschel auf die Lebensgemeinschaften aus?
Auch das wird derzeit intensiv untersucht, vor allem im Rahmen des umfassenden Forschungsprojekts „SeeWandel“, das von der Internationalen Gewässerschutzkommission (IGKB) initiiert wurde. Projektleiter ist Piet Spaak von dem schweizerischen Wasserforschungsinstitut EAWAG. Zu klären sind viele Fragen, etwa zum Platz der Muschel in der Nahrungskette. Allerdings räumt Piet Spaak ein: „Wir wissen noch nicht, welche Algen von den Muscheln und den Larven gefressen werden – und auch nicht, ob und von wem die Larven gefressen werden.“ Allerdings sei in anderen Seen etwa in Nordamerika der Einfluss der Quagga auf die dortigen Lebensgemeinschaften „wirklich signifikant“. Für Spaak ist klar, „dass noch viel Arbeit geleistet werden muss – und wir sind intensiv dabei“.

Was muss gegen die weitere Ausbreitung der Quagga getan werden?
Auch wenn sich die Muschel im Bodensee etabliert hat, ist es nach wie vor wichtig, ihre weitere Ausbreitung zu bremsen. Um generell Seen vor invasiven Arten wie der Quagga-Muschel zu schützen, ist daher beim Transport von sogenannten Wanderbooten sorgfältig darauf zu achten, dass zuvor das Bilgenwasser und andere Wasserbehälter geleert sind und die Außenhaut gereinigt wird.