Spurenstoffe verharren im See

Fluorhaltige Chemikalien sind für die Umwelt eine Belastung. Auch der Bodensee ist betroffen.
Spurenstoffe Verharren Im See

Spurenstoffe verharren im See

Fluorhaltige Chemikalien sind für die Umwelt eine Belastung. Auch der Bodensee ist betroffen.

Viele chemische Verbindungen verfügen über besondere Eigenschaften, die sie für zahlreiche Anwendungen im Alltag auszeichnen. Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen, kurz PFAS genannt, sind ein gutes Beispiel. Sie weisen zugleich Wasser und Fett ab und sind zudem thermisch und chemisch sehr stabil.

Insgesamt umfasst diese Chemikaliengruppe rund 4700 Substanzen. Dazu gehören häufig vorkommende und daher mengenmäßig relevante PFAS-Verbindungen wie die Perfluoroktansulfonsäure (PFOS) oder die PFOA (Perfluoroktansäure).

Ihrer praktischen Eigenschaften wegen werden PFAS verbreitet eingesetzt, etwa als Imprägnierungsmittel in Outdoorkleidung, zur Beschichtung von Pfannen, in Papier- und Druckerzeugnissen sowie in Löschschmitteln, um nur einige wichtige Beispiele zu nennen.

 

Lokal starke Belastungen

Das große Problem dieser fluorhaltigen Verbindungen, die es von Natur aus gar nicht gibt, ist ihre Langlebigkeit. Sie werden in der Umwelt nicht oder nur in sehr geringem Maße abgebaut. Man findet sie daher fast überall, nichtzuletzt im Boden, im Grundwasser und in Bächen, Flüssen und Seen. Leider kommt es immer wieder zu lokal stärkeren Belastungen von Böden und Gewässern.

 

Löschmittel gelangte in den Bodensee

Davon war auch der Bodensee bereits betroffen: Im Dezember 2020 und im Januar 2021 lief im Kanton St. Gallen über den Zufluss Goldach eine große Menge Löschmittel in den Bodensee. In diesem Löschmittel waren rund zehn Kilogramm PFOS enthalten, eine Substanz, die sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland seit 2011 weitgehend verboten ist. Übergangsweise durfte sie noch bis 2018 in Löschschaum verwendet werden.

 

Gewässerschutzexperten beurteilen Mikroverunreinigungen kritisch

Auch wenn in den Monaten nach der Havarie bei den Routinemessungen des Instituts für Seenforschung der baden-württembergischen Landesanstalt für Umwelt in Seemitte zwischen Fischbach und Uttwil keine nennenswerten Veränderungen der PFOS-Werte festgestellt wurden, beurteilen Gewässerschutzexperten solche Verunreinigungen grundsätzlich als kritisch. Die Fachleute der IGKB stellen derzeit das Faktenblatt «PFAS im Bodensee» mit entsprechenden Informationen zusammen.

 

Untersuchungungen im See und
seinen Zuflüssen

Im Bodensee werden routinemäßig Spurenstoffe untersucht, darunter auch PFAS, und zwar im Freiwasser wie auch in den größeren Zuflüssen. In der Stoffgruppe der PFAS erreichen die PFOS regelmäßig die höchsten Konzentrationen. Zumeist liegen sie im See zwischen 1 und 5 Nanogramm pro Liter – wobei ein Nanogramm ein Milliardstel Gramm ist. Das hört sich sehr niedrig an, doch diese Werte überschreiten die europäische Umweltqualitätsnorm (UQN) für PFOS in Oberflächengewässern von 0,65 Nanogramm pro Liter.

In den Zuflüssen gibt es, so zeigenn die Untersuchungen, größere Schwankungen bei den PFOS-Konzentrationen: Sie weisen Werte zwischen nicht nachweisbar bis in den dreistelligen Nanogramm-Bereich auf.

 

Umweltqualitätsnorm-Werte
zum Teil überschritten

Von Bedeutung ist, dass sich insbesondere PFOS in größerem Maße in Fischen anreichern kann. Bei den Untersuchungen von Bodensee-Felchen wurden bisher Werte zwischen 6 und 23 Mikrogramm pro Kilo Fisch gemessen.

 

Herausforderung für den
Gewässerschutz

Als Fazit hält die IGKB deshalb fest, die Belastung der Gewässer mit PFAS sei weltweit und auch im Bodensee eine große Herausforderung für den Gewässerschutz.

Aus diesem Grund unterstützt die IGKB auch die Chemikalienstrategie der EU. Sie besagt, dass die Herstellung und Verwendung der gesamten Stoffgruppe beschränkt werden soll und nur noch Ausnahmen für unabdingbare Anwendungen erlaubt sind.

Bild: Sehr langlebig und eine Belastung für den Bodensee: Die Strukturformel zeigt die Perfluoroktansulfonsäure (PFOS).

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