Der Felchen war bisher der wichtigste Brot der Berufsfischer im Bodensee. Doch die Bestände sind massiv eingebrochen. Ein neues Faktenblatt diskutiert mögliche Ursachen und blickt nach vorne.
Die Felchen, wissenschaftlich Coregonen genannt, gehören zu den Lachsartigen Fischen. Seit Jahrhunderten sind sie als schmackhafte Speisefische begehrt. Im Bodensee kommen heute drei Felchenarten vor. Am häufigsten ist der Blaufelchen (Coregonus wartmanni). Er lebt im Freiwasser bis in 60 Meter Tiefe und ernährt sich weitestgehend von Zooplankton. Der Laich wird im Freiwasser abgegeben. Die Eier sinken dann auf den Seeboden, wo sie sich bei gutem Sauerstoffangebot weiterentwickeln.
Demgegenüber hält sich der Gangfisch (Coregonus macrophthalmus) eher in der Nähe des Seegrunds in mittlerer Tiefe auf. Er laicht an der Halde in 5 bis 30 Meter Tiefe, also dort, wo der Uferbereich mehr oder weniger steil in die Tiefe abfällt. Der Sandfelchen (Coregonus arenicolus) wiederum ist größer und mit bis zu vier Kilogramm auch schwerer als die beiden anderen Felchen. Er laicht im ufernahen Flachwasser. Die vierte Felchenart, der Bodensee-Kilch (Coregonus gutturosus), gilt seit 1970 als ausgestorben.
Abnehmende genetische Vielfalt
Im Rahmen der Forschungsprojekte «SeeWandel» und «SeeWandel-Klima» wurde vor kurzem das Faktenblatt «Der Brotfisch des Bodensees – Besonderheiten und Gefährdung des Bodenseefelchens» veröffentlicht. Darin wird unter anderem der Verlust an genetischer Vielfalt bei den Coregonen beklagt, der darauf hinweise, dass die Anpassungsfähigkeit der Felchenarten abnimmt. Der Hintergrund: Populationen mit einer großen genetischen Vielfalt können sich besser an Umweltveränderungen und Klimawandel anpassen, zudem sind sie resistenter gegenüber Krankheiten.
Die Felchen haben derzeit mit einer Reihe von Problemen zu kämpfen. Ab 2012 erwuchs ihnen Konkurrenz durch die Stichlinge, die sich stark vermehrten und ihnen vermutlich die Nahrung streitig machten. Darüber hinaus gibt es Hinweise, dass Stichlinge Eier und kleine Larven der Felchen erbeuten. Auch die sich massenhaft vermehrende Quaggamuschel hat die Felchenbestände möglicherweise beeinflusst: Weil die Muscheln enorme Mengen an Planktonalgen konsumieren, ist zu befürchten, dass das Algenangebot für das Zooplankton leidet, von dem sich ihrerseits die Felchen ernähren. Kommt dazu, dass der Klimawandel die Lebensbedingungen für die Felchen erschwert, weil sie höchstwahrscheinlich künftig gezwungen werden, in tiefere und damit kühlere Wasserschichten auszuweichen.
Zusätzliche Aufzucht von Jungfelchen
Wie also geht es mit den Felchen weiter? Im Jahr 2022 erließ die Internationale Bevollmächtigtenkonferenz für die Bodenseefischerei (IBKF) ein Fangmoratorium für den Obersee, das bis 2026 gilt. Der alljährliche Laichfischfang im frühen Winter findet allerdings noch statt, wenn auch nur in geringem Ausmaß. So soll der Bestand durch die zusätzliche Erbrütung und Aufzucht von Jungfelchen gestützt werden.
Rückgang der Stichlinge im Freiwasser seit 2024
Die Bedeutung der Stichlinge als Konkurrenten und Prädatoren im Nahrungsnetz der Felchen hat abgenommen, da ihr Bestand im Freiwasser seit 2024 deutlich zurückgegangen ist. Bei der Fangaktion im Herbst 2025 wurde nur noch ein Bruchteil der früheren Stichlingsfänge verzeichnet, wie Alexander Brinker berichtet, der Leiter der baden-württembergischen Fischereiforschungsstelle in Langenargen.
Erfreulich sind auch die weiteren jüngsten Erkenntnisse: «Den wenigen Felchen, die noch da sind, geht es gut. Sie stehen gut im Futter und wachsen toll», so Brinker. «Das liegt sicher auch daran, dass weniger Stichlinge als Nahrungskonkurrenz vorhanden sind. Und dass die Felchen derzeit vollständig geschont werden.»
Das Faktenblatt im Internet:
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