Die Corona-Pandemie betrifft auch den Gewässerschutz

Die Corona-Pandemie betrifft auch den Gewässerschutz

Der Kläranlagenbetrieb

Um die Qualität der Gewässerökosysteme – und damit auch des Bodensees – sowie ihre Funktion als Trinkwasserlieferanten aufrecht zu erhalten, müssen die Kanalisation und die Klärwerke funktionsfähig bleiben. Damit gehören Wasserversorgung und Abwassereinigung zur kritischen Infrastruktur, deren Betrieb unter allen Umständen gewährleistet sein muss. Das bedeutet vor allem, dass ausreichend Fachpersonal verfügbar sein muss – wofür entsprechende Notfallpläne sorgen sollen. Dazu gehört zum Beispiel, dass Teams gebildet werden, die nicht miteinander in Kontakt treten dürfen, um den Betrieb aufrecht erhalten zu können. Dazu gehört aber auch eine enge Vernetzung und Abstimmung der Betreiber etwa bei neuen Auflagen. Dies kann zum Beispiel in Webkonferenzen zum Krisenmanagement erfolgen – die dann auch intensiv genutzt werden.

Die Hygienevorschriften

Bis zu zehn Prozent der Covid-Patienten scheiden Untersuchungen zufolge die Coronaviren mit dem Stuhl aus. Allerdings müssen Beschäftigte auf Abasseranlagen generell mit Gefahren durch mögliche Krankheitserreger im Schmutzwasser rechnen. Deshalb gelten in Abwasserreinigungsanlagen auch entsprechend bestimmte Hygiene-Vorschriften und Arbeitsschutzregeln, die vor Ansteckung schützen. Ohnehin ist nach derzeitigem Wissensstand eine Übertragung des Coronavirus durch das Abwasser sehr unwahrscheinlich.

Die Liefer- und Entsorgungsketten

Eine Herausforderung in der Corona-Krise ist es auch, die erforderlichen Lieferketten aufrecht zu erhalten. Dies gilt nicht nur für die Anlieferung von Material wie etwa der für die Phosphor-Eliminierung erforderlichen Chemikalien, sondern auch für die ordnungsgemäße Entsorgung des anfallenden Klärschlamms. So könnte etwa dessen zeitweise Zwischenlagerung nötig werden.

Abwasser als Frühwarnsystem?

Spuren von Coronaviren etwa in Form von Erbmaterial können in geringen Konzentrationen im Abwasser nachweisbar sein. Mehrere wissenschaftliche Untersuchungen sollen nun zeigen, ob ein solcher Nachweis als Frühwarnsystem für eine drohende Infektionswelle dienen kann.

Trinkwasser ist sicher

Trinkwasser wird in einem mehrstufigen Prozess aufbereitet und bietet damit einen weitreichenden Schutz auch vor unbekannten Organismen und chemischen Stoffen. Dies gilt auch für das Coronavirus. So sind schon die Wasserquellen gut geschützt: bei Grundwasser durch die Bodenpassage des Wassers und bei Seen wie dem Bodensee durch die große Verdünnung. Hinzu kommt die aufwändige Aufbereitung des Wassers. Bei der Bodensee-Wasserversorgung etwa wird das Rohwasser filtriert, dann mit Ozon alles organisches Material zerstört und anschließend das so aufwendig aufbereitete Trinkwasser auf seinem Weg zum Verbraucher noch mit etwas Chlor geschützt. Das Fazit der Experten: „Eine Übertragung des Coronavirus über die öffentliche Trinkwasserversorgung ist nach derzeitigem Kenntnisstand höchst unwahrscheinlich.“ Das Trinkwasser kann also bedenkenlos getrunken werden.

Im „Quelltopf“ der Bodensee-Wasserversorgung sprudelt Seewasser zu Tage. (Foto: BWV)

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Umfangreiche Untersuchungen

Um ein stehendes Gewässer von der Größe des Bodensees umfassend und ganzheitlich beurteilen zu können, ist eine ganze Reihe von Monitoringprogrammen erforderlich. Sie umfassen zwei wesentliche Teilbereiche: einerseits physikalische und chemische Parameter (wie z.B. Phosphat, Sauerstoff, Schadstoffe), andererseits auf der biotischen Seite die Wasserpflanzen (Makrophyten), das Phyto- und Zooplankton – also die im Freiwasser lebenden pflanzlichen und tierischen Kleinlebewesen – sowie die am Gewässerboden vorkommenden Tiere (Makrozoobenthos) und die auf Substraten aufsitzenden pflanzlichen Algen (Phytobenthos).

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